Musiktipp: Avishai Cohen – Ani Maamin / Remembering

8. März 2010 - 17:59 Uhr

Der israelische Modern-Jazz-Künstler und Bandleader Avishai Cohen lässt in seinen Arrangements Einflüsse des mittleren Ostens und der Musik seiner Heimat mit grandios intoniertem akkustischem Jazz verschmelzen. Zudem inspirieren ihn klassische Werke wie die des Komponisten Johann Sebastian Bach. Hier Ani Maamin, ein Stück aus dem Album Continuo (Razdaz Recordz 2006) – Reinhören lohnt sich:

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Remembering (As Is… Live at the Blue Note – 2007)

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großartige Kleinanzeigen

8. März 2010 - 17:45 Uhr
Alternatives Ende möglich!

Alternatives Ende möglich!

Manche Fehler macht man nur einmal...

Urgent Request

Brauche Adresse, muss Sie töten!

Was Frauen wollen: arrangieren Sie ihre Bestattung!

Schüchterne Menschen aufgepasst!

Schüchterne Menschen aufgepasst!

Besonders geeignet als Kombi-Seminar: "Hochzeitsvorbereitung" & "Ausblick auf die Hölle"

Über einen Rabatt angesichts des "leichten" Uringeruchs der Matratze lässt sich verhandeln...

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mediale Widersprüche – Teil 2: Das Kreuz mit dem Alkohol

5. März 2010 - 14:31 Uhr

Unglückliche Momente sind wohl ein zuverlässig auftretender Bestandteil eines jeden Menschen Lebens. Der eine wurde mit dem Finger in der Nase vom Vorgesetzten überrascht, ein anderer vielleicht beim Schlaf im Unterricht erwischt. Wieder andere ertappt man beim Hinterziehen von Steuern und nicht wenige stellen sich beim Autofahren in angetrunkenem Zustand ausreichend ungeschickt an, um der Polizei aufzufallen. Als besonders unglücklich erweisen sich vor allem die letzten beiden Situationen, wenn man im Licht der Öffentlichkeit steht. Dieses Licht wird dann schlagartig und oft zum letzten Mal gleißend hell. Als beinahe unübertreffbar unglücklich ist schließlich ein solches Malheur zu bezeichnen, wenn es einem Amtsträger widerfährt, der außer seinem Amt auch noch eine moralische Verpflichtung trägt.

Eine derartige moralische Verantwortung sagten die Anhänger des evangelischen Glaubens verständlicherweise ihrer Vorsitzenden Margot Käßmann nach. Diese bewies kürzlich, dass ein Paar Gläser Wein den Kopf hervorragend von jeglichen Verantwortungen befreien können und ließ sich zudem auch noch von relevanten Persönlichkeiten der Verkehrsaufsicht dabei beobachten, wie sie mit 1,54 Promille eine rote Ampel ignorierte. Wie selbstverständlich trat die 51.-jährige Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche angesichts des erdbebenartigen Mediengetöses einige Tage später zurück. Verblüffend ist an der Berichterstattung vor allem die Tatsache, dass der Hauptvorwurf nicht etwa darin bestand, dass sie angetrunken bei rot über eine Ampel gefahren ist. Vielmehr prangerte man an, dass sie als Bischöfin dem Alkoholgenuss fröhnte.

Zugegeben, ihre Glaubwürdigkeit hat dadurch schon mehr als einen Kratzer genommen. Dennoch kann man festhalten, dass der EKD mit Käßmann die erste Persönlichkeit abhanden kommt, die man in Debatten zu aktuellen, politischen Themen ernst genomman hatte. Im Atemzug der Rücktrittserklärung versicherte die evangelische Kirche zugleich trotzig, dass man “sich auch weiterhin in politische Themen einmischen” werde. So sprang der offizielle Nachfolger Käßmanns, Nikolaus Schneider gleich auf den populären Zug der Westerwellekritik auf, um damit auf seine moralische Kompetenz zu verweisen.

Worin besteht nun der mediale Widerspruch? Dazu muss ich erst einmal ein verstaubtes, unrechtmäßig unbeachtetes, aber dennoch aktuelles Thema aus der Versenkung bergen. In der Bundeswehr wurde kürzlich aufgedeckt, dass es im Rahmen von Aufnahme-Ritualen (und damit ist offenbar nicht die übliche Musterung gemeint) in unzähligen Fällen zu regelrechten Exzessen kam.

Der erste Fall, der in diesem Zusammenhang, wenigstens beiläufig in den Medien Erwähnung fand, betraf die Gebirgsjäger im bayrischen Mittenwald. Dort wurden Soldaten von ihren Kameraden beispielsweise gezwungen, Rollmöpse oder rohe Schweineleber mit Frischhefe zu essen. Bevor nun allerdings eine fabelhafte Kreativität unterstellt wird, sich an die afghanische Küche zu gewöhnen, sollte man Erwähnen, dass dieser Initiationsritus mit Namen “Fuxtest” von Trinkgelagen begleitet wurde, die der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe (der es ja wissen sollte) als “Komasaufen” bezeichnete. Bekannt wurden diese Informationen durch den Brief eines Exsoldaten an Robbe, in dem er die Rituale schilderte.

Seither gingen über 20 weitere Briefe im Büro des Wehrbeauftragten ein, die deutlich machen, dass derlei Exzesse ebensowenig Einzelfälle sind, wie katholische Knabenfreundschaft. Guttenberg kündigte “nachdrückliche Aufklärung” an, die ich, mehr noch als im Falle Käßmann, zukünftig von intensiver Prävention begleitet sehen möchte. Bekannt ist zudem, dass auch Vorgesetzte von den Exzessen gewusst haben. Im Rahmen der “Ausmusterung” der Verantwortlichen und ranghoher Mitwisser, könnte man die zeitgemäße Reduzierung auf eine Berufsarmee veranlassen, sollte sich die Gruppe der schwarzen Schafe als Mehrheit entpuppen.

Verwirrend ist hierbei einmal mehr die sensationsgesteuerte Prioritätensetzung in den Medien. Obwohl Margot Käßmann, weitaus intenisivere Erwähnung fand, als komatös gesoffene Soldaten, es gilt weiterhin: wenn ich die Wahl hätte zwischen angetrunkenen Bischöfinnen, die im Amt bleiben, oder besoffenen Soldaten, die für Deutschland am Hindukush gefährliche von liebenswerten Afghanen unterscheiden sollen, dann wäre meine Entscheidung unstrittig.

Selbstverständlich will ich niemandem die Freude am bewaffneten Verteidigen nehmen. Als Alternative zur Bundeswehr kann ich das österreichische Bundesheer empfehlen. Den Großteil des Alkoholvorrats vernichten hier offensichtlich schon die Marketingbeauftragten, was dieser aktuelle Werbefilm zeigt:

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mediale Widersprüche – Teil 1: Anonymität zur Primetime

25. Februar 2010 - 22:03 Uhr

Man kann von Google StreetView halten, was man will, ich persönlich erfreue mich gern an virtuellen Spaziergängen durch Los Angeles, Paris oder Rom. Alles in allem ist diese neue Funktion des Kartendienstes GoogleMaps eine hervorragende Spielerei und ein besserer Zeitvertreib als das durchschnittliche Fernseh-Abendprogramm.

Seit einiger Zeit lichtet Google nun die Bundesrepublik ab und will seinen Dienst dementsprechend auch zeitnah mit hochauflösenden Bildern deutscher Straßen und Häuser erweitern. Wer die Deutschen kennt, der weiß, sie befürchten gern. Sie befürchten, sie könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, sie befürchten, die Nachbarn seien nicht neidisch auf ihre Vorgärten und am liebsten befürchten sie, ihre Befürchtungen blieben ungehört. Beim Thema StreetView befürchtet der Deutsche nun, wie kein zweiter, dass sein Recht auf Privatsphäre verletzt wird.

Google Deutschland musste Zugeständnisse machen, wie in keinem anderen der bisher 19 Länder, in denen das Programm schon online ist. Das Unternehmen kündigte an, die Bilder all jene Häuser zu löschen, für die es eine entsprechende Eingabe bekommt. Die deutsche Straßenansicht könnte so einen Haufen schwarze Löcher erhalten.

n-tv – Dienstag 23. Februar 2010

Nun kann sich jeder Interessierte eine eigene Meinung zu den Gefahren und Vorzügen zusammenbasteln. Die Fernsehanstalten und Printmedienbieten bieten hierfür auch zahlreiche Schablonen, je nachdem, ob man sich eher dafür oder dagegen “entscheiden lassen” will. Dieter Hemann jedenfalls, seines Zeichens Befürchter und Hausbesitzer aus Lübeck, wählte den Gang an die Öffentlichkeit, um seine Anonymität zu wahren. Das klingt im ersten Moment vielleicht ein wenig paradox. Bei genauerer Betrachtung möchte man ‘paradox‘ dann jedoch umgehend durch ‘reichlich dämlich‘ ersetzen. Herr Hemann trat stellvertretend für sich und 19 benachbarte Befürchter vor die RTL-Kameras, um zu erklären, dass seine Hausfassade nicht “weltweit gesehen werden kann.”, da er schriftlich Einspruch bei Google anmeldete.

Umrandet wurde dieses Interview von aufschlussreichen Einblicken in die Wohnsituation des Lübeckers, wie Aufnahmen seines Hauses oder angrenzenden Fußwegen. Außerdem wurde das Geheimnis gelüftet, ob Dieter Hemann nach Verlassen seines geerbten Hauses die Tür abschließt – er tut es nicht, denn es findet ja jetzt ohnehin niemand mehr. Wenige Sekunden später sorgt er sich dann über die Möglichkeiten, die Google StreetView Kriminellen “weltweit” biete. Eine Statistik, die ich leider nicht zur Hand habe, die aber gewiss existiert, kann die Sorgen des Herrn Hemann zerstreuen: Ein Großteil der Diebstähle in deutschen Haushalten geht von Mitbürgern aus dem näheren Umland aus. Es ist also, entgegen seiner Vermutung, recht unwahrscheinlich, dass ein aufgeweckter, mexikanischer Kleinganove mit Internetanschluss, einen Flug von Acapulco nach Deutschland bucht, um in Lübeck (von Google StreetView nicht in seiner Existenz verifiziertes) Tafelsilber zu stehlen.

Diese Erkenntnis wird den Vetreter der typisch deutschen Gattung “besorgter Anwohner” sicher hart treffen, setzte er doch alles auf eine Karte und tauschte seine nationale Anonymität in den RTL-Abendnachrichten vom 23. Februar gegen die Sicherheit vor internationalen Kriminellen. Da in jedem von uns zuweilen die Paranoia zu Gast ist, nehme ich beispielsweise Abstand davon, alle Welt mit privaten Fotografien von mir auf Facebook und Co. zu versorgen. Die peinlichsten, dieser Aufnahmen, die niemals jemand sehen wird, werde ich demnächst im Sat1 Frühstücksfernsehen vorstellen.

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Frühchinesische Zurückhaltung

23. Februar 2010 - 02:07 Uhr

Das hatte sich der Guido aber ganz anders vorgestellt, als er sich über den Wahlerfolg seiner Privatpartei Löcher in den Bauch freute. Die FDP durfte endlich wieder Regierungsverantwortung übernehmen und er selbst als World Wide Westerwelle in aller Herrenländer umherscharwenzeln. All dies hat die Liberalen nun offenbar kälter erwischt, als der Winter die städtischen Räumdienste, denn den aktuellen Umfragen zufolge bilden sie das klare Schlusslicht in der Top5 Deutschlands “beliebtester” Parteien.

Woran mag das wohl liegen? Nun ja, einerseits wurde der frische Wind, den die FDP dem Wähler (und dieser sich von der FDP) versprach, durch die erdrückend mütterliche Wärme der CDU/CSU schnell zu heißer Luft aufgeheizt. Die angekündigte, lobenswerte Steuerreform wurde vom übermächtigen Koalitionspartner vorerst weiterhin in ihre Ankündigung gebannt. Die Reform des Gesundheitssystems, für die sich FDP Gesundheitsminister Benjamin Rösler haftbar gemacht hat, würde Horst Seehofer (CSU) ebenfalls am liebsten im Keim ersticken. Dann war da noch dieser Baron, dem man sein eigenes hübsches Steuergesetz verkaufte und zahlreiche weitere hausgemachte Negativschlagzeilen, die der FDP den Glanz nahmen, den ihr Westerwelle in jahrelanger und mühevoller Arbeit aufgetragen hatte.

Doch gerade jetzt, wo die Partei ihren unangefochtenen und unersetzbaren Vorsitzenden mehr denn je benötigt, um von ihm mit neuem frischen Wind gefüllt zu werden, treibt sich dieser überall rum, nur nicht in Berlin. Das kann man ihm nun natürlich nicht zum Vorwurf machen, er wird ja schließlich nicht umsonst Außenminister genannt. Was er sich jedoch ankreiden lassen muss, ist die Tatsache, dass er sich für seine Partei so unersetzbar gemacht hat, wie das Wasser für die Turmspringer. Denn während Westerwelle in der Opposition noch den Rohrspatz gab, der seiner Klientel aus der Seele zwitscherte, fehlt ihm nun ein zweiter Star mit unermüdlicher Stimme. Da wirkten leise Zwischenrufe wie der gegen die beaufsichtigende Präsenz von zu Guttenberg bei Auslandsterminen nur wie unharmonisches Gekrächze. In der FDP selbst werden unterdessen die Stimmen der unterdrückten, potenziellen Führungskräfte immer lauter. Parteigenossen wie Wolfgang Gerhardt oder neuerdings auch Andreas Pinkwart fragen öffentlich, warum sich Westerwelle diese zahlreichen Aufgaben zumutet. Dieser antwortet jedoch weiterhin frei nach Guy Ritchie: “Because a real Parteivorsitzender wants the fuckin’ lot!”.

Glücklicherweise verfolgt er auch außerhalb Deutschlands die Themen, die die Nation bewegen. Da entging ihm natürlich dieser ungepflegte Arbeitsverweigerer (dessen Name mir jetzt zu unwichtig ist, um ihn herauszufinden) nicht, der sich tagelang durch Fernsehsendungen und von Titelblättern grinste. Was geht nun, beim Anblick dieses, zur kategorischen Verallgemeinerung aufrufenden Einzelschicksals unter Guidos Westerwelle vor? Richtig, er denkt: “Das kann doch niemand gut finden! Und was mache ich, wenn ich so unbeliebt bin, das selbst meine Forderung nach Steuersenkungen schon unpopulär ist? Ich prangere an! Und zwar das, was keiner gut findet.”

Jetzt bedurfte es nur noch etwas geschichtlichen Halbwissens und eines, für Diplomatenverhältnisse schrillen Humors und fertig ist das provokante Presseleckerli. Dieses lautete schließlich “spätrömische Dekadenz” und klingt, erst einmal anständig aus dem Zusammenhang gerissen, doch reichlich nach einem Rundumschlag, der sämtliche Vertreter der erwerbsfernen Schicht streift.

Was meinte unser Vizekanzler damit eigentlich genau? Und ist ihm hier, neben seiner medialen Reinkarnation, auch ein trefflicher historischer Vergleich geglückt? Dazu hier erstmal das vollständige Zitat und der dazugehörige Zusammenhang:

“Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein. An einem solchen Denken kann Deutschland scheitern.”

“Es scheint in Deutschland nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet. Empfänger sind in aller Munde, doch die, die alles bezahlen, finden kaum Beachtung.”

Entlockt wurde ihm dieser verbale Zündstoff von der “Welt”, für die Westerwelle einen Gastbeitrag verfasste. Dessen Anlass war das Karlsruher Urteil zu den derzeitigen ALG II – Sätzen, das seiner Meinung nach ein unnötiges Zugeständniss an die Empfänger von Sozialleistungen darstellt. Erforderlich wäre es jedoch, wer hätte es gedacht, den Mittelstand zu stärken. Wie steht es nun um die historische Qualität dieses klanghaften Vergleiches? Genau genommen: eher mangelhaft. Denn was das späte Römische Reich von seinen früheren Tagen (und sämtlichen anderen damaligen Zivilisationen) unterschied, war eine wachsende Bürokratie und hohe steuerliche Belastung für alle Bürger. Selbstverständlich existierte auch eine himmelschreiende Dekadenz. So strichen “Staatsdiener”, wie beispielsweise der Präfekt von Afrika ein Viertel des gesamten Jahresetats und damit doppelt soviel wie seine knapp 400 Angestellten ein.

Vergleicht Westerwelle also tatsächlich die Maßlosigkeit der Politiker im späten alten Rom mit der gegenwärtiger deutscher Amtsgenossen? In diesem Fall müsste man ihm raten, derart populäre Situationskritik beim nächsten Mal in weniger schwammigem Geschichtswissen zu verstecken. Überhaupt könnte er sich doch mehr vom “Duktus” der Kanzlerin aneignen, welcher sich meist durch erhaben aussagenfreie Äußerungen ohne jegliche Interpretationsspielräume auszeichnet – so staatsmännisch, wie eine Frau eben sein kann.

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Und ewig nagen die moralischen Zweifel

5. Februar 2010 - 17:39 Uhr

Für jeden, an dem moralische Bedenken nagen, ob der Staat die illegal beschafften Daten über Steuerflüchtlinge in der Schweiz erwerben darf, hier ein Denkanstoß.

Es geht jetzt vor allem darum, sich für die Verfolgung eines Verbrechens zu entscheiden. Auf der einen Seite die gesetzeswidrige Beschaffung sensibler Bankdaten und die damit verbundene Hehlerei, derer sich die Bundesrepublik Deutschland schuldig machen würde. Auf der anderen Seite Steuerhinterziehung in nicht abzuschätzendem Ausmaß. In Zahlen bedeutet das vorerst:

2,5 Millionen € (und der paradoxe Begriff der politischen Glaubwürdigkeit) sind der Einsatz für 100 – 200 (oder mehr) Millionen € Gewinn

Nun werden die Angenagten entgegnen: “Aber das ist doch ein Freibrief für alle, die auf den Datenschutz pfeifen, sich illegal in Datenbanken hacken und die Dateien dann an den Staat verscherbeln!” Nunja, liebe Angenagten, ganz so ist es nicht. Es bleibt ja immernoch illegal und wird deshalb weiterhin mit Strafen bedacht, sich auf diesem Wege derartige Daten zu besorgen. Es geht hier lediglich um die Verhältnismäßigkeit zweier Verbrechen.

“Na gut, dann finden wir eben moralisch bedenklich, dass sich der Staat der Hehlerei schuldig macht!”, schreien sie nun.  Befürworter des CD-Kaufs zitieren gern diesen Paragraphen:

§ 259
Hehlerei

(1) Wer eine Sache, die ein anderer gestohlen oder sonst durch eine gegen fremdes Vermögen gerichtete rechtswidrige Tat erlangt hat, ankauft oder sonst sich oder einem Dritten verschafft, sie absetzt oder absetzen hilft, um sich oder einen Dritten zu bereichern, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Die §§ 247 und 248a gelten sinngemäß.

(3) Der Versuch ist strafbar.

Da im Paragraphen von “Sache” die Rede ist, und es sich bei Daten nicht um “Sachen” handele, könne man hier nicht von Hehlerei sprechen (frei nach CDU-Politiker Wolfgang Bosbach). Das darf man mit ein wenig Fingerspitzengefühl als juristische Wortklauberei entlarven und verwerfen.

Gehen wir wie ich also davon aus, dass es sich hier tatsächlich um Hehlerei handelt. Sollte man es nicht trotzdem mindestens ebenso bedenklich finden, wenn man den Tatbestand der schweren Steuerhinterziehung, der den Staat unvorstellbare Summen kostet, ungestraft lässt? Ja das sollte man. Auch sollte man den, beinahe schon bis auf die Knochen zernagten Bedenkenträgern ausgiebiges Mitleid und Verständnis angedeihen lassen. Grade in Situationen wie dieser, wo sie sich in ein Dilemma des moralisch-verwerflich-Findens verirrt haben, brauchen sie Anerkennung, Erwähnung und vor allem Hilfe!

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Musiktipp: New Order – Crystal

5. Februar 2010 - 16:20 Uhr

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Das Seiende und seine Wahrnehmung

29. Januar 2010 - 17:22 Uhr

Der Zauber des “aus-dem-Zusammenhang-Reißens” ist ein gern gesehener Gast in der Magie des Journalismus. So ließ sich Bundespräsident a.D. Johannes Rau zu folgender Bemerkung hinreißen: “Traue niemals einem Zitat, das Du nicht selbst aus dem Zusammenhang gerissen hast.”

Dass auch Bilder manchmal mehr darstellen, als sie ursprünglich sollten, beweisen folgende Momentaufnahmen:

Herman Van Rompuy und Catherine Ashton (lachen noch)

Herman Van Rompuy und Catherine Ashton lachen (noch)

Mutti sucht nach Wegen aus der Krise

Mutti sucht nach Wegen aus der Krise

auch der seriöseste Professor hat schwache Momente

auch der seriöseste Professor hat schwache Momente – in der alpha Centauri-Vorlesung mit dem Titel: “Warum nicht Nichts ist” provozierte mich Prof. Harald Lesch nach sechs Minuten mit dieser Geste

Good morning Mr. (Ex-)President!

Good morning Mr. (Ex-)President G. Bush jr.!

Hier unterstellt der Fotobeweis zwar ganz klar "Ball gespielt", aber niemand fechtete die Freistoßentscheidung des Schiedsrichters an

Hier unterstellt der Fotobeweis zwar ganz klar “Ball gespielt”, aber niemand fechtete die Freistoßentscheidung des Schiedsrichters an

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der Weg durch den “Bitch-Shield”

27. Januar 2010 - 01:58 Uhr

Die Sprache ist ja bekanntermaßen eine ewig sprudelnde Quelle eigentümlicher Kreationen. Man denke nur an Kompositionen wie das gleichzeitig ent- und vermenschlichende “Humankapital”, die “Blasenspekulanten”, die Schuld an den “Not-leidenden Banken” tragen, sogenannte “aufenthaltsbeendende Maßnahmen”, die den Tatbestand der Abschiebung euphemisieren oder die (neue) “Beelterung” der sich ein Kind unterzieht, wenn seine Erziehungsberechtigten wechseln. Man könnte (und ich werde zu gegebenem Anlass) diese Liste noch ausdehnen, bis einem ganz schummerig wird.

Auch bizarre Gäste aus der englischen Sprache beehren uns ab und an. So tat es beispielsweise, der “Lowperformer”, unter dem man einen (ungeachtet der Ursachen) wenig leistenden Arbeitnehmer zusammenfasst. Auch die Marketingabteilung des Leipziger Handball-Clubs, der immer noch niemand verraten hat, dass ihr Slogan “EnterTORment” wörtlich übersetzt eben mehr ist als ein Wortspiel aus “Entertainment” und “Tor” (nämlich die Aufforderung “betritt die Qual/Folter”), leistete hierzu unfreiwillig einen Beitrag.

Als ich vergangene Woche in einem Irish Pub einem Kreis beiwohnte, den ein ehemaliger Soziologiestudent abrundete, erfuhr ich durch ebendiesen von der Existenz des Ausdrucks “Bitch-Shield” (“Schlampen-Schild”). Mit dieser Information war ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit der Beteiligten gewiss und er wurde genötigt, all sein diesbezügliches Know-How zu offenbaren. Da dies, statt einer lückenlosen Aufklärung eher einem Intro in die Welt des Verruchten glich, las ich mich im Schutz der Privatsphäre noch ein wenig tiefer in die Materie hinein. An dieser Stelle folgt nun eine fachlich höchst zweifelhafte Erklärung des Begriffs.

Frühe Form des Bitch-Shields?

Das Urban-Dictionary liefert folgende Definition:

Primitive psycological protection ladies often put in an attempt to ward of those they consider creeps and/or misfits. Can usually be broken down by refusing to acknowledge the actual relevance of a bitch shield, hence making the imaginary self-defense device irrelevant.

und das Anwendungsbeispiel:

This lady had her bitch shield up at the dinner party, by teasing her about its usefullness I broke through it and won her trust.

Es handelt sich also um eine Art Schutzhaltung, die eine Frau einnimmt, wenn Sie sich als bloße Beute eines, zur Reproduktion drängenden Männchens erkennt. Sie reagiert dann unerwartet aggressiv, abweisend und ruft dem Gesprächspartner, der möglicherweise tatsächlich nur von der Sorge um den Fortbestand dieser Spezies getrieben ist, unmissverständlich ins Bewusstsein, wie überflüssig er an seinen gegenwärtigen Raum-Zeit-Koordianten ist. 

In themenbezogenen Foren, wo Männer, die sich selbst zu “Date-Doktoren” promoviert haben, den beschriebenen Beutezug als “Game” bezeichnen, erfährt man Aufschlussreiches. So einerseits, dass der Bitch-Shield oft nur im Kopf des Jägers existiert und diesen zum Kaninchen vor der Schlange macht. An anderer Stelle geht man jedoch von der realen Existenz dieser Abwehrhaltung aus. Die Ursachen sind dann vielfältig:

  • Das “Opfer” erkennt sich im Schlachtplan des Angreifers nur als Mittel zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse. Wer diese edle Absicht derart unprofessionell verschleiert, hat selbstverständlich nichts anderes verdient, als schmerzhaft am Bitch-Shield abzuprallen.
  • Der engagierte Eroberer ist der Zielperson schon im Vorfeld dadurch aufgefallen, dass er kläglich am Durchstoßen der Bitch-Shields anderer Gesellschaftsteilnehmerinnen gescheitert ist. Dafür gab es natürlich Gründe, die, wenn auch unbekannt, genügen, um den eigenen Abwehrmechanismus hochzufahren.
  • Die paradoxeste Form des Bitch-Shields tritt dann auf, wenn die Frau es als Indikator dafür verwendet, wie ernst es der Gedemütigte meint. Eine Kunst der Eroberung besteht darin, diese Art der Bitch-Shield-Motivation zu durchschauen und hartnäckig am Ball zu bleiben.

weitere mögliche Gründe:

  • die Frau ist einfach nicht in der Stimmung, erobert zu werden
  • sie kann mit Gesprächseinleitungen wie: “Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick oder muss ich noch einmal an Dir vorbeigehen?” oder “Hi, wollen wir etwas Mathe üben? Wir könnten Dich und mich addieren, unsere Kleider abziehen, unsere Beine teilen und uns multiplizieren.”
  • der Angreifer ist besoffen, steht unter Drogen oder duftet nicht eben nach frischen Mondviolen
  • der Raum ist schwach beleuchtet, der Eroberer hat vergessen, dass er sich auf einer Famillienfeier befindet und das Opfer würde bei besserer Sicht zweifelsfrei als seine Großmutter identifiziert werden können (auch intensive Nachforschungen haben nicht vollends aufklären können, ob man in diesem Fall von Bitch-Shield sprechen kann)

Schwierig war für mich vor allem der Schritt von meinem bisherigen “Bitch-Begriff”, der vor allem zur Beschreibung von Damen mit äußerst hochfrequenter Partneralternation gedient hätte, hin zum Bitch-Shield. Hier wird ja im Normalfall grade versucht, der Gefahr des spontanen Beischlafs mit Hilfe gebotener Konversationsmittel gekonnt auszuweichen. Weder besagter Soziologe noch die konsultierte Fachliteratur entpuppten sich bei diesem Schritt als Ge(h)hilfe. Ebenfalls wenig hilfreich war der Hinweis eines “Date-Doktors”, zum Durchbrechen des Bitch-Shields “möglichst beliebt” zu sein. Dieser (kostenlose) Rat ist wirklich jeden Cent wert!

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91 Kommentare » | Gesellschaft

Auf dem Planeten der Frauen

25. Januar 2010 - 01:54 Uhr

Ich wage mich jetzt mal auf sehr dünnes Eis und gebe ein Review zu dem Film “Sumuru – Planet der Frauen” ab, der gestern 23:35Uhr auf dem Privatsender RTLII für Unterhaltung sorgen sollte. Man muss noch erwähnen, dass der Sender den Streifen schon am 13. und 14. Januar zeigte und ihn, um die Quoten auf ein halbwegs erträgliches Maß addieren zu können, auch am Mittwoch um 02:55Uhr nochmals ausstrahlt.

Obwohl ich schon die ersten Teile der Reihe, also die mit den Affen, nicht sonderlich mochte, versuchte ich mich weitestgehend unvoreingenommen ins Fernsehvergnügen zu stürzen. Sicherheitshalber fesselte ich mich mit einem Fußbad vor den Bildschirm und warf die Fernbedienung außer Reichweite (was ich später mit einem nassen Fußboden bezahlen sollte).

Dann ging es also los: Man beobachtet die beiden Astronauten Adam Wade und Jake Carpenter, die eigentlich die Erde retten sollen (Virus gefährdet Menschheit usw. usf…) bei einer Bruchlandung auf einem total heruntergewirtschafteten Planeten (Anspielung? erste Ahnung?). Da dem Navigator bei diesem Vorgang ein riesiges Metallstück in die Brust geraten ist und dieser es nun erstmal ruhig angehen lassen muss, macht sich Adam allein auf, um das Gebiet zu erkunden. Einige Minuten später wird er von Frauen gefangen genommen, die alle in aufreizende, unbequeme Aufmachungen gepresst wurden, über die man sich noch nicht wundert (denn man denkt ja noch: ok, da haben die männlichen Bewohner des Planeten halt was zu gucken)

Nun wird dem Zuschauer verdeutlicht, dass es hier zwei Fronten gibt. Einmal die Königin des Planeten, Sumuru. Und auf der anderen Seite ihre Widersacherin Priesterin Taxan, die, um  uns die Sympathiezuordnung zu erleichtern, in schwarzer Lederkriegsrüstung herumschlawenzelt. Ein handfester Zickenkriegsdialog dieser beiden Damen ließ mich meine vorausgegangenen Spekulationen über eine Beteiligung von Alice Schwarzer an Drehbuch oder Produktion komplett verwerfen. Auch die unterbewusste Hoffnung auf einen handlungsschwangeren Erotikthriller wurde jäh enttäuscht (und zwar in beiden Punkten – Handlung und Erotik).

Zumindest befriedigte sich mein immer größer werdendes Verlangen nach der Antwort auf die Frage, wie eine menschliche Rasse 900 Jahre ohne Männer überleben kann, was in keiner Weise chauvinistische Züge offenbaren soll, sondern lediglich aus regem, biologischem Interesse folgt. Die männlichen Zeitgenossen werden von den Frauen zur Sklavenarbeit und Ölförderung angehalten, weil Sie für eine Atomkatastrophe verantwortlich waren und dürfen ab und an mal zur Reproduktion antreten. Das ist also Gesellschaftskritik à la RTLII.

So wäre es auch unserem Adam beschieden, wenn er nicht die Neugier der Planetenkönigin geweckt hätte. Während diese nämlich noch mit Armbrüsten (Anspielung??) unterwegs ist, kann er schon eine Laserpistole vorweisen, deren Auswirkung allerdings auch keine großen Lücken ins Budget der Special-Effects-Verantwortlichen gerissen haben dürfte. Nochmal etwas deutlicher: die Frauen prügeln sich grad durch ihr planetares Mittelalter, während die beiden Männer die Hand des Fortschritts und die Stimme der Moral darstellen (Anspielung???). Wie Männer nunmal so sind, wollen Sie die Frauen von den Vorzügen der Nächstenliebe überzeugen und den Planeten retten, der kurz vorm Zerplatzen steht. Dies kündigt sich durch Erdbeben an, deren Umsetzung der Produzent selbst folgendermaßen beschreibt: “Erdbeben hieß: tüchtig mit der Kamera wackeln!”

Langeweile zwang mich, weitere Sachverhalte zu hinterfragen: Warum gibt es auf diesem Planeten nur Frauen, die mit Idealmaßen aufwarten können? Wieso wird das Thema “Schlange” so oft (Religion, Mordwerkzeug…) bemüht? Was passiert mit dem ganzen Öl, das die Männer ununterbrochen fördern? Was macht RTLII mit den vielen Einnahmen aus den dauernden Werbepausen, wenn sie schon nicht für sehenswerte Filme ausgegeben werden?

Naja, die Antwort auf die zweite Frage beantwortete folgende Szene: Sumuru verarztet Adam nach einem Schlangenbiss mit einem Antidot, dass sie in ihrer Haarnadel aufbewahrt, begleitet von dem Satz: “Meine Welt ist voll von Schlangen!” (Anspielung!!!) Dieser Fausthieb ins Gesicht des Feminismus war auch mir zuviel und ich zerbrach die Fernbedienung, die ich mir für die Werbeunterbrechung wieder in Reichweite gelegt hatte. Danach sprang ich auf, trat in den Fernseher, packte ihn und warf ihn aus dem geschlossenen Fenster wobei er auf Höhe der zweiten Etage noch effektvoll ex- oder implodierte (ich konnte es nichtmehr genau erkennen). Beim Aufprall erschlug er, völlig zurecht den Produzenten und den Intendanten des Senders, was die wartende Traube von aufgebrachten Frauen mit tosendem Beifall belohnte.

Es kann aber auch sein, dass ich einfach umschaltete, weil mittlerweile “Antikörper” im ZDF lief, der mir zu gut war, um ihn mit einer Filmkritik zu bedenken. Ich kann mich nichtmehr genau erinnern. So oder so, ich verpasste das Ende des Planeten der Frauen. Wenn es bewundernswerterweise jemanden gibt, der den Film bis zum Ende geschaut hat, wäre ich Informationen zu folgenden Punkten nicht abgeneigt (jedoch auch nicht eben zugeneigt). Ist der Planet tatsächlich geplatzt? Wurde auch das mit “tüchtigem Kamerawackeln” dargestellt? Sind die Frauen noch zur Vernunft gekommen? Hat Adam sie mit zur Erde genommen? Sind sie geschlossen zum Islam konvertiert? Gibt es eine Fortsetzung? (Vorschläge: 2013 – Planet der Blamierten; Lafontaine – der rote Planet; Pluto – kein Planet mehr)

Fazit: RTLII hätte es beinahe geschafft, mir eine meiner schönsten Fantasien zu verhageln. Glücklicherweise traten zu viele Ungereimtheiten auf, die jeglichen Realismus im Keim erstickten und mir doch noch den Glauben an einen lebenswerten Planeten der Frauen erhielten.

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