Kategorie: Gesellschaft


der Weg durch den “Bitch-Shield”

27. Januar 2010 - 01:58 Uhr

Die Sprache ist ja bekanntermaßen eine ewig sprudelnde Quelle eigentümlicher Kreationen. Man denke nur an Kompositionen wie das gleichzeitig ent- und vermenschlichende “Humankapital”, die “Blasenspekulanten”, die Schuld an den “Not-leidenden Banken” tragen, sogenannte “aufenthaltsbeendende Maßnahmen”, die den Tatbestand der Abschiebung euphemisieren oder die (neue) “Beelterung” der sich ein Kind unterzieht, wenn seine Erziehungsberechtigten wechseln. Man könnte (und ich werde zu gegebenem Anlass) diese Liste noch ausdehnen, bis einem ganz schummerig wird.

Auch bizarre Gäste aus der englischen Sprache beehren uns ab und an. So tat es beispielsweise, der “Lowperformer”, unter dem man einen (ungeachtet der Ursachen) wenig leistenden Arbeitnehmer zusammenfasst. Auch die Marketingabteilung des Leipziger Handball-Clubs, der immer noch niemand verraten hat, dass ihr Slogan “EnterTORment” wörtlich übersetzt eben mehr ist als ein Wortspiel aus “Entertainment” und “Tor” (nämlich die Aufforderung “betritt die Qual/Folter”), leistete hierzu unfreiwillig einen Beitrag.

Als ich vergangene Woche in einem Irish Pub einem Kreis beiwohnte, den ein ehemaliger Soziologiestudent abrundete, erfuhr ich durch ebendiesen von der Existenz des Ausdrucks “Bitch-Shield” (“Schlampen-Schild”). Mit dieser Information war ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit der Beteiligten gewiss und er wurde genötigt, all sein diesbezügliches Know-How zu offenbaren. Da dies, statt einer lückenlosen Aufklärung eher einem Intro in die Welt des Verruchten glich, las ich mich im Schutz der Privatsphäre noch ein wenig tiefer in die Materie hinein. An dieser Stelle folgt nun eine fachlich höchst zweifelhafte Erklärung des Begriffs.

Frühe Form des Bitch-Shields?

Das Urban-Dictionary liefert folgende Definition:

Primitive psycological protection ladies often put in an attempt to ward of those they consider creeps and/or misfits. Can usually be broken down by refusing to acknowledge the actual relevance of a bitch shield, hence making the imaginary self-defense device irrelevant.

und das Anwendungsbeispiel:

This lady had her bitch shield up at the dinner party, by teasing her about its usefullness I broke through it and won her trust.

Es handelt sich also um eine Art Schutzhaltung, die eine Frau einnimmt, wenn Sie sich als bloße Beute eines, zur Reproduktion drängenden Männchens erkennt. Sie reagiert dann unerwartet aggressiv, abweisend und ruft dem Gesprächspartner, der möglicherweise tatsächlich nur von der Sorge um den Fortbestand dieser Spezies getrieben ist, unmissverständlich ins Bewusstsein, wie überflüssig er an seinen gegenwärtigen Raum-Zeit-Koordianten ist. 

In themenbezogenen Foren, wo Männer, die sich selbst zu “Date-Doktoren” promoviert haben, den beschriebenen Beutezug als “Game” bezeichnen, erfährt man Aufschlussreiches. So einerseits, dass der Bitch-Shield oft nur im Kopf des Jägers existiert und diesen zum Kaninchen vor der Schlange macht. An anderer Stelle geht man jedoch von der realen Existenz dieser Abwehrhaltung aus. Die Ursachen sind dann vielfältig:

  • Das “Opfer” erkennt sich im Schlachtplan des Angreifers nur als Mittel zur Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse. Wer diese edle Absicht derart unprofessionell verschleiert, hat selbstverständlich nichts anderes verdient, als schmerzhaft am Bitch-Shield abzuprallen.
  • Der engagierte Eroberer ist der Zielperson schon im Vorfeld dadurch aufgefallen, dass er kläglich am Durchstoßen der Bitch-Shields anderer Gesellschaftsteilnehmerinnen gescheitert ist. Dafür gab es natürlich Gründe, die, wenn auch unbekannt, genügen, um den eigenen Abwehrmechanismus hochzufahren.
  • Die paradoxeste Form des Bitch-Shields tritt dann auf, wenn die Frau es als Indikator dafür verwendet, wie ernst es der Gedemütigte meint. Eine Kunst der Eroberung besteht darin, diese Art der Bitch-Shield-Motivation zu durchschauen und hartnäckig am Ball zu bleiben.

weitere mögliche Gründe:

  • die Frau ist einfach nicht in der Stimmung, erobert zu werden
  • sie kann mit Gesprächseinleitungen wie: “Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick oder muss ich noch einmal an Dir vorbeigehen?” oder “Hi, wollen wir etwas Mathe üben? Wir könnten Dich und mich addieren, unsere Kleider abziehen, unsere Beine teilen und uns multiplizieren.”
  • der Angreifer ist besoffen, steht unter Drogen oder duftet nicht eben nach frischen Mondviolen
  • der Raum ist schwach beleuchtet, der Eroberer hat vergessen, dass er sich auf einer Famillienfeier befindet und das Opfer würde bei besserer Sicht zweifelsfrei als seine Großmutter identifiziert werden können (auch intensive Nachforschungen haben nicht vollends aufklären können, ob man in diesem Fall von Bitch-Shield sprechen kann)

Schwierig war für mich vor allem der Schritt von meinem bisherigen “Bitch-Begriff”, der vor allem zur Beschreibung von Damen mit äußerst hochfrequenter Partneralternation gedient hätte, hin zum Bitch-Shield. Hier wird ja im Normalfall grade versucht, der Gefahr des spontanen Beischlafs mit Hilfe gebotener Konversationsmittel gekonnt auszuweichen. Weder besagter Soziologe noch die konsultierte Fachliteratur entpuppten sich bei diesem Schritt als Ge(h)hilfe. Ebenfalls wenig hilfreich war der Hinweis eines “Date-Doktors”, zum Durchbrechen des Bitch-Shields “möglichst beliebt” zu sein. Dieser (kostenlose) Rat ist wirklich jeden Cent wert!

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Kloß und Spinne Teil 8: Verliebt und zugenäht!

19. Januar 2010 - 19:52 Uhr

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Top Ten der Stammtisch-Redewendungen

9. Januar 2010 - 15:52 Uhr

Hier mal eine Auswahl der meist genutzten Redewendungen in Stammtischgesprächen. Bei unentschuldbarem Fehlen wichtiger Floskeln bitte ich um Ergänzung.

10. diese Sportler verdienen doch alle viel zu viel

Meist in folgender oder ähnlicher Situation zu beobachten: Eine Gruppe Männer sieht sich ein Fußballspiel an und äußert ihren Unmut darüber, dass ein gut bezahlter Spieler das Tor trotz aussichtsreicher Position verfehlt. Oft aber auch situationsunabhängig gebraucht, wenn der Äußernde grad ein Stimmungstief durchlebt und irgendeinen Berufssportler in TV oder Zeitung erblickt.

9. die großen Bosse

Die Rede ist hier nicht nur von Firmenchefs oder Managern. Auch Vorsitzende von Sportvereinen oder Gewerkschaften können gemeint sein. Die Formulierung beinhaltet sowohl die Einsicht, dass betreffende Subjekte einen gesellschaftlich übergeordneten Status besitzen, als auch eine gewisse Ironie. Diese Ironie soll empfundene Ungerechtigkeit ausdrücken und kann bei Bedarf noch deutlicher gemacht werden. Dazu lässt man nach “die” eine kurze Pause und spricht das “o” in “großen” ausgedehnt und überdeutlich.

8. die oberen Zehntausend

Ebenfalls eine sehr vage Angabe für eine Gruppe von Menschen, die mit finanzieller Unabhängigkeit gesegnet und mit Neid gestraft sind. Fälschlicherweise werden oft auch Schauspieler oder sonstige, zwar in den Medien vertretene, aber nicht zwingend außergewöhnlich wohlhabende Menschen mit diesem Prädikat versehen. Der Ausdruck “die unteren Zehntausend” wird interessanterweise selten bis nie in diesem Zusammenhang verwendet.

7. Wenn ich hier was zu sagen hätte…

Häufig zu finden in Stammtischrunden, die in politische Gefilde vorstoßen. Vervollständigt wird diese Wendung im Allgemeinen von sehr provokativen oder radikalen Gedanken wie beispielsweise: “…, dann würde ich die großen Bosse (siehe 9.) alle einsperren lassen!”, oder “…, dann hätten wir schon längst die Todesstrafe wieder eingeführt!” Heuchlerisch wird dann von Seiten der Hörer die Bedauerung versichert, dass der Redner leider nie “etwas zu sagen haben wird.”

6. …X Jahre lang belogen und betrogen.

Eine, vor allem in Ostdeutschland weit verbreitete Redewendung, die sich meist auf das Leben in der DDR bezieht ( die Variable X wird dann aus rhetorischen Gründen statt mit der korrekten Dauer von 41 Jahren mit 40 ersetzt, da vierzig [gesprochen: "förzsch"] mehr Emotionsgewalt ausdrücken kann). “Belogen und betrogen” meint hier, dass man auf anderem Level als heute, ein ebenso zufriedenes und erfülltes Leben geführt hat, da man fälschlichen Darstellungen über benachbarte Staatsformen glaubte. Auch hier dient die Ausdehnung des Buchstaben “o” als Unmutsintensitätsindikator.

5. …ein Leben lang geschuftet

Der Sprecher fordert den ihm gebührenden Respekt ein, den er sich dadurch verschafft hat, dass er einen Großteil seiner bisherigen Existenz mit einer Tätigkeit verbracht hat, die ihm weder Lebensfreude noch körperliche Spritzigkeit bewahrt hat. Aus dieser Überzeugung erwächst oftmals erst der Antrieb für Stammtische dieser Art.

4. Früher hätts das nicht gegeben!

Gemeint sind hier nicht etwa lobenswerte Erfindungen wie Aufzüge oder vierlagiges Toilettenpapier. Eher beklagt man Zustände, die mangels Aufklärung oder Freiheitsverständnis in der längst vergangenen Blüte des Stammtischmitgliedslebens so nicht möglich gewesen sind. Beispiele sind unter anderem das Frauenwahlrecht oder Genmanipulation bei Lebensmitteln.

3. die Herren Politiker…in ihren feinen Anzügen

Wieder ist die Politik das Verwendungsgebiet dieses Ausdrucks. Wahlweise können die beiden Satzteile einzeln oder in Verbindung angewendet werden. Zum einen muss bemerkt werden, dass die “Herren Politiker” freilich auch Frauen sein können, wenn Sie sich beispielsweise den Dienstwagen stehlen lassen und dann die Dreistigkeit besitzen, dennoch im Amt zu bleiben. Zum anderen sollte man vor der Gefahr warnen, als ein etwas zu zickiger Zeitgenosse entlarvt zu werden, wenn man sich allzu schnell zu dieser verachtenden Redewendung hinreißen lässt. Umkehrversuche wie “die Herren Klempner…in ihren gebügelten Blaumännern” verfehlen dagegen jegliche Wirkung.

2. die da oben…

Ein Klassiker! Die zweitbeliebteste Wendung bezeichnet alljene, deren willkürlicher Gewalt sich der Verwender ausgeliefert sieht. (ansonsten auch siehe 3.)

1. der kleine Mann…

Wer kennt sie nicht, die Galleonsfigur der Unterdrückten und Benachteiligten? Als Gegenstück zu denen “da oben” landet der kleine Mann ganz klar auf dem ersten Platz der Stammtisch-Redewendungen. Er ist nicht nur klein und männlich, was ihn allein schon unattraktiv für jegliche körperliche Arbeit macht, sei es Kohle schippen oder erfolgreiche Fortpflanzung. Nein, in gedanklichen Bildern hat er schütteres Haar, einen krummen Gang, graue oder beige Second-Hand-Kleidung und einen unsicheren Blick. Mit ihm identifiziert sich das Stammtischmitglied, denn von hier aus scheint alles ungerecht. Der kleine Mann kennt die Welt der großen ganz genau, denn er liest BILD. Und dort erfährt er, wie ungerecht er behandelt wird. Doch was kann er schon machen? Niemand sieht ihn, mit seinen 1,40m. Keiner erhört seine brüchige Stimme. Er ist gefangen im ewigen Wettstreit mit all den anderen kleinen Männern (und jetzt auch noch Frauen). Sein einziger Antrieb ist seine Moral, denn er würde alles so viel besser machen!

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Länderindex für Lebensqualität 2010

7. Januar 2010 - 18:18 Uhr

Das online-Lifestyle Magazin “International Living” hat den Länderindex für Lebensqualität für das Jahr 2010 ausgegeben. Demzufolge lässt es sich in Frankreich am besten aushalten. Gründe hierfür seien das weltbeste Gesundheitssystem, die exzellente Küche und die abwechslungsreiche Landschaft.  Da wirken auch die zeitraubende Bürokratie und die hohen Steuern nur wie zwei Tropfen Bordeaux auf den heißen Stein.

Romantic Paris offers the best of everything, but services don’t fall away in Alsace’s wine villages…in wild and lovely Corsica…in lavender-scented Provence. Or in the Languedoc of the troubadors, bathed in Mediterranean sunlight.

Nach Australien und der Schweiz folgt Deutschland auf dem vierten Platz des Rankings. Als positiv wird vor allem bemerkt, dass Deutschland in der Weltwirtschaft trotz der gegenwärtigen Krisenzeit verhältnismäßig gut aufgestellt ist. Außerdem lobt man das Gesundheitssystem und die Tatsache, dass der Zugang zur Kunst nicht an den Status der gesellschaftlichen Elite geknüpft sei. Bei dieser Beobachtung könnte es jedoch zu einer Verwechslung der gesellschaftlichen Elite mit der finanziellen Elite gekommen sein, die hierzulande sehr wohl differenziert werden sollte. Die direkte Verbindung zwischen Lebensqualität und angeblich meist tempolimitfreien Autobahnen würde ich doch wenigstens als gewagt bezeichnen:

In Germany, everything works and works well. Its houses are built to last, and their legendary autobahns are still mostly without speed limits.

Erwähnung fand ebenfalls die Existenz von Nacktwanderwegen im Harz, was wohl eher dazu dienen soll, den Einwanderungsstrom in überschaubaren Grenzen zu halten.

Die Vereinigten Staaten von Amerika landeten auf einem siebten Platz. Die Huffingten Post fasste die Pro- und Contra-Argumente wie folgt zusammen:

Pros: The land of convenience
Cons: Convenience is overrated

Großbritannien ist auf dem 25. Rang, knapp hinter Tschechien zu finden, was offenbar hauptsächlich der gewöhnungsbedürftigen Küche geschuldet ist. Die drei letzten Plätze wurden an den Sudan, Jemen und Somalia vergeben, die somit noch ganz knapp hinter dem Mond liegen.

Zur Bewertung wurden Kriterien wie Lebenshaltungskosten, Wirtschaft, Umwelt oder Sicherheit herangezogen.

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Multifunktionale Uniformität

15. Dezember 2009 - 18:57 Uhr

Vor einigen Jahrzehnten, vor Präzisierung schrecke ich hier feige zurück, begannen viele Menschen der Urbanisierung überdrüssig zu werden. Das führte dazu, dass diese Zeitgenossen ihren, von der Industrialisierung gegeißelten, faden Alltag nicht mehr mit einem Strandurlaub unterbrachen, sondern eine andere Form der Natur heimsuchten. Sie stiegen auf Berge, wanderten durch Täler, spazierten in Wäldern, oder angelten nordische Fjorde leer. Zu Beginn genügte ihnen die bloße Wahrnehmung der Fremde einer unberührten Natur. Später realisierten sie, dass solch ein Wanderurlaub doch hervorragend dafür geeignet war, sich auf der Trägheitsskala von den üblichen Strandurlaubern abzusetzen. Also überbot man sich nun im heimischen Bekanntenkreis mit Erzählungen darüber, wie hoch der Berg, wie grün die Wiesen und wie rein die Luft doch war.

Der jüngste Schritt der I-am-so-Outdoor-Bewegung hat seine Wurzeln in der Tatsache, dass es ihre Anhänger nicht mehr befriedigt, Bekannten von dieser Leidenschaft fürs Ungemütliche zu berichten. Es kann doch ruhig jeder wissen, dass sie auch (oder in manchen Fällen wenigstens) abseits des Berufslebens noch Kraft für Herausforderungen aufbringen können und sich den gnadenlosen Mächten der Umwelt hingeben.

Dieses Bekenntnis hat sein Sprachrohr in den sogennaten Outdoor-Textilherstellern gefunden, an deren Spitze die Marken Jack Wolfskin und TheNorthFace um die Führung ringen. Waren Produkte dieser Unternehmen anfangs noch Utensilien für den Überlebenskampf Mensch gegen Natur (wobei Natur hier als Synonym für Gebirge, Wald, Wiese usw. zu verstehen ist), sind sie heute zur Mode, ja beinahe zur Uniform quer durch alle Bevölkerungs-, Generations- und Einkommensschichten mutiert.

stadtuniform

Das beste Argument für den Kauf ihrer Ware sehen die Hersteller in der Multifunktionalität. Damit meinen sie natürlich nicht, dass man mit einem Jack-Wolfskin-Schal einen Grizzlybären erwürgen könnte oder eine TheNorthFace-Jacke als Fallschirm geeignet wäre (auch wenn sie dies nicht konkret ausschließen). Beworben wird die Alltagsrüstung mit Adjektiven wie “wind- und wasserdicht”; “anatomisch angepasst”, oder “atmungs-aktiv” und hebt sie somit von den altmodischen “schwammhaften”, “anatomisch fragwürdigen”, “Erstickungstod-fördernden” Mänteln und Jacken ab.

wolfskin

Mit Wolfskin Wind und Wetter trotzen.

Allein 80% der europaweit ca. 200 Jack-Wolfskin-Stores befinden sich in Deutschland, was schon einiges über das starke Bedürfnis unseres Volkes, als besonders outdoor-tauglich erkannt zu werden, aussagt. Ganze Innenstädte entwickeln sich von Schauplätzen für modisch Interessierte hin zu Orten die, betrachtet man die Outfits der vorbei Fliegenden, voll sind von Abenteuern und Gefahren. Dabei darf man guten Gewissens annehmen, dass auch Menschen, die ohne Tatzenanorak die urbane Tristesse erhalten und den Einkaufsbummel in Mantel und Strickjacke  riskieren, kein Dasein ohne Reiz und Antrieb verleben. Womöglich halten sie in ihren NoName-Rucksäcken ja NoName-Regenschirme bereit, mit denen auch sie trocken durch den ein oder anderen Regenschauer gleiten. Einige von ihnen, wenn auch nur ein kaum erwähnenswerter Anteil, haben mit Sicherheit schonmal einen Waldspaziergang unbeschadet überstanden oder sogar den Gedanken an einen Campingausflug ins Auge gefasst – und das vielleicht ganz ohne Mr. Wolfhaut.

Nachtrag: Für halbherzige Individualisten hat der Amerikaner Jimmy Winkelmann die Marke “TheSouthButt” (DerSüdArsch) mit dem Slogan “Never Stop Relaxing” ins Leben gerufen. Hier gibts mehr Infos dazu!

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Dicke Kinder laufen nicht weg

7. Dezember 2009 - 18:00 Uhr

Seit einigen Jahren ist auch hierzulande ein Trend zu erkennen, demzufolge der Anteil der Kinder und Jugendlichen mit Übergewicht stetig ansteigt. Zwar geht die Anzahl der Neugeboren konstant zurück, doch wird das mit einer immer höheren Masse pro Kind wieder ausgeglichen. Auf die Gründe dafür wird schon länger mit strengem Finger gedeutet. So zeigen Ernährungswissenschaftler auf die Fast-Food-Kultur mit fettschwangeren, geschmacksverstärkten Lebensmitteln und süßen Getränken, während Fitnessexperten die moderne Lebensweise der Kids anprangern, die größtenteils sitzend vollführt wird. Wo Opa und Oma sich noch mit einem einstündigen Fußweg zwischen Heim und Schule konfrontiert sahen, schaffen unsere jetzigen Zukunftsträger selbst den Weg vom Bus zur Pforte der Bildungseinrichtung nur noch mit Energ-Drink und Milchschnitte.

schaukel

Immerhin ist sich auch die Regierung der Folge einer Generation XXL, nämlich dem Kollaps des Gesundheitssystems, bewusst.

Laut der aktuellen Studie KiGGS des Robert Koch-Instituts leiden 28,9 Prozent der 11- bis 17-jährigen Mädchen unter Ess-Störungen. Von den gleichaltrigen Jungen sind 15,2 Prozent betroffen. 15 Prozent der Kinder und Heranwachsenden (3 bis 17 Jahre) haben Übergewicht, rund sechs Prozent sind sogar fettleibig. Jungen und Mädchen betrifft das nahezu in gleichem Maße.

Quelle: Magazin für Soziales, Familie und Bildung; www.bundesregierung.de

Das Land Sachsen hat beispielsweise ein Programm unter dem Namen “KOMM! in den Sportverein” ins Leben gerufen, das den Eintritt von 4.-Klässlern in Sportvereine fördern soll. Mit 30€ beteiligt sich der Freistaat am Mitgliedsbeitrag:

Das Projekt „KOMM! in den Sportverein“ ermöglicht den Kindern sportliches Miteinander, Aktivität, Bewegung und das Kennenlernen ehrenamtlicher Strukturen.
Lassen Sie uns deshalb dieses Projekt zu einem gemeinsamen Erfolg für die Entwicklung unserer Kinder werden und unterstützen Sie uns bei der Motivation für dauerhaftes Sporttreiben.

Quelle: http://www.sachsen-macht-schule.de

Zwar stampfen die “Kleinen”  dann einmal wöchentlich im adipös-Trainingsanzug zum Sport, die Lösung für das Problem ist das leider noch nicht. Das weiß auch die Politik und macht sich deshalb vermehrt dafür stark, dass schon in Kindergarten und Schule das Bewusstsein für eine gesunde Ernährung gebildet wird. Ein Beispiel dafür ist die Kampagne des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mit dem Namen “Besser essen. Mehr bewegen. KINDERLEICHT”.

Aber so kreativ diese Wortspiele auch sein mögen, es bedarf vor allem besserer Rahmenbedingungen, damit unsere “Kinderleicht” bleiben oder werden. Vergleicht man beispielsweise die Preise für frisches Gemüse mit denen von Fertiggerichten, sieht man schon den Großteil des Kindergeldes mit einer verantwortlichen Verpflegung verschwinden. Belohnt werden diese Bemühungen dann mit Nörgelei und Missgunst, da sich die Sprösslinge beim Anblick des Brokkolis an die freudestrahlenden Gesichter der Kinder aus der Reklame erinnern, nachdem diese ihre werbetauglichen Idealkörper mit Bürgern, kinder-”Milchprodukten” und Schokolade maltretieren.

Es ist also eine generelle Bewusstseinsänderung gefordert, damit die nahezu perfekten Vertreter der Gesellschaft in Film und Werbung nicht zur Karrikatur derselben verkommen, wie es in Amerika schon der Fall ist.

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Tomaten im Winter und Kunstschnee

5. Dezember 2009 - 02:40 Uhr

In der kommenden Woche beginnt ein Ereignis, an dessen Verlauf zahlreiche Experten die Zukunft der Erde festmachen. Nicht nur Freunde der inflationären Verwendung von Superlativen bezeichnen den Klimagipfel, der vom 7.12. bis zum 18.12.2009 in Kopenhagen stattfinden wird, als wichtigste Konferenz der Menschheitsgeschichte. 192 Staats- und Regierungshäuptlinge wurden zum Regentanz in die dänische Hauptstad geladen um sich ein paar vorweihnachtliche Gedanken zum Fortbestand des wichtigsten Planeten zu machen, der uns bekannt ist. Vor allem die Vertreter der Industrieländer befürchten, dass aus dem Regentanz ein Eiertanz werden könnte, denn das lobenswerte Ziel, die Bewohnbarkeit der Erde zu sichern, wird wohl nur mit enormen finanziellen Zugeständnissen erreicht werden können. Als wäre das nicht genug, werden sich Wirtschaft und Bürger auf gravierende Änderungen in ihren bisherigen Verhaltensweisen einstellen müssen.

In der gestrigen Ausgabe der Polittalkshow “Maybritt Illner” mit dem zickigen Titel Leiden für den Umweltschutz?, bestritt Bundesumweltminister Norbert Röttgen zumindest den letzten, eben genannten Nebeneffekt der Klimarettung. Er distanzierte sich ganz klar davon, den hierzulande so lieb gewonnenen Wohlstand zurückzufahren. Vielmehr setze er auf die verstärkte Entwicklung von umweltfreundlichen Technologien (ein Ausdruck dessen verallgemeinernder Charakter auch schon der Kanzlerin aufdringlich sympathisch erschien). Vielleicht kann er die Regierung dafür ja sogar soweit bringen, Opel um eine solidarische Rückzahlung von, sagen wir 1-3% der Sanierungsaufwendungen zu bitten. Mehr wäre angesichts des Zwecks (Rettung eines Automobilkonzerns vs. Rettung eines Heimatplaneten) in grobem Maße unverhältnismäßig.

Als Zielscheibe für Menschen, die gern mit dem Finger zeigen, fungierte der Vorstandsvorsitzende des Energielieferanten E.ON, Wulff Bernotat, der sich neben der 24-jährigen Umwelt-Aktivistin Hanna Poddig wiederfand. Dieser trieb mir (der ich die Sendung während eines Vollbads verfolgte) zunächst die Schamesröte ins Gesicht. Denn sogar er, der zumindest für diese knappe Stunde den personifizierten Klimatod mimte, zieht das wassersparende Duschen dem Baden vor. Rehabilitiert wurde ich dann von Physiker (und Mr. ich-verschwende-Ihre-GEZ-Gebühren-um-möglichst-aufwändig-zu-zeigen-warum-ein-Toast-immer-auf-die-Marmeladenseite-fällt) Ranga Yogeshwar. Er erklärte auf die Frage, welchen Beitrag er zum Klimaschutz leiste, nämlich, dass er keine Playstation3 besäße – ein Sachverhalt den ich, wenn auch aus anderen Motiven, mit ihm gemein habe.

Vervollständigt, scheut man sich nicht vor schonungsloser Direktheit möge man sagen gerettet, wurde dieser Umweltgipfel light durch den Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber. Er beruhigte die Zuschauer mit positiver Interpretation eigentlich beunruhigender Zahlen und verwies ein ums andere Mal darauf, dass “wir es noch schaffen können, wenn wir drastische Maßnahmen verfolgen”. Mediengewandt verschwieg er jedoch nähere Angaben zu den Variablen “wir”, “es” und “drastische Maßnahmen”. So mancher Beobachter wird sich beim Schwelgen in Genugtuung ertappt haben, als die Diskutanten den Vergleich der CO2-Produktion eines Amerikaners (20t pro Jahr) mit der eines Deutschen (10t pro Jahr) anstellten. Für unnötig befand man es jedoch zu erwähnen, dass deutsche Kühe den gleichen Ausstoß an Treibhausgasen produzieren wie amerikanische Rinder. Ganz gleich also, ob American Beef oder Steak vom bayrischen Bauernhof, dem Klima kommt jedes verzehrte Hornvieh zu Gute.

Selbstverständlich durfte auch bei dieser Klimarunde neben all der Haarspalterei nicht die Kernspalterei fehlen. Yogeshwar und, wer hätte es gedacht, auch die junge Ökotaktivistin positionierten sich auf der Seite der Atomskeptiker, während der E.ON-Vertreter auf die Umweltverträglichkeit der Kernenergieherstellung (wenn auch nur im Vergleich zur Kohleenergie) verwies. Das ist zwar ungefähr, als stelle man die Gefährlichkeit eines Löwen gegen die eines Bären, aber vielleicht merkt es ja keiner.

Was sind denn nun aber die Alternativen zur CO2-produzierenden Kohle- und krebserregenden Kernenergie? Zum einen wäre da die Solarenergie. Das ambitionierteste Projekt in dieser Richtung trägt den Namen Desertec. Riesige Solaranlagen in Afrika sollen bis zum Jahr 2020 etwa 15% des europäischen Strombedarfs liefern. Dazu stellen wir den Afrikanern ihre ganzen Wüsten mit solarthermischen Kraftwerken voll, damit wir smogfrei zum nächsten Mediamarkt gelangen, den geschätzte 8 Millionen Lampen Tag und Nacht sonnenhell erstrahlen lassen. Die Leute da unten haben doch eh keinen Sinn für Elektrotechnik, die beschäftigen sich ja den lieben langen Tag mit der Beschaffung von Nahrungsmitteln.

Eine andere Möglichkeit, umweltschonend an Strom zu kommen, sind Windkraftwerke. Wahrscheinlich stehe ich mit diesem Gedanken allein auf weiter Flur (im Gegensatz zu den meisten Windrädern, die  allzu oft in Schwärmen aus dem Boden ragen), aber was macht denn eine Landschaft schützenswert, die von monotonen, weißen Riesenventilatoren übersäht ist? Man wird dennoch einsehen, dass selbst die heilig gesprochenen, alternativen Energiequellen ihre Nachteile haben, was das Dilemma, das glücklicherweise erst unsere Nachfahren betreffen wird, nur umso heimtückischer macht.

Natur pur

Wenn Kopenhagen sein einzig sinnvolles Ziel, nämlich eine Sensibilisierung der Weltbevölkerung für den richtigen Umgang mit Ressourcen und Emissionen verfehlt, dann wird man um noch ungeborene Ideen wie ein pro Kopf – Strompensum oder die technisch wohl erst in 300 Jahren realisierbare Utopie von Elektroautos nicht umhin kommen. Gespannt darf man darauf sein, wie die westlichen Nationen den Newcomern China und Indien erklären, dass seine Bürger doch bitte niemals auf das wirtschaftliche Niveau von Amerika oder Europa kommen sollen, da das klimapolitisch unverantwortbar wäre.

Zum Abschluss bieten sich die übliche Phrasen an wie: “Der Fernseher frisst auch auf StandBy Strom!”, oder “Warum fließt das Wasser während des Zähneputzens?” (was ich im Übrigen noch nie bei jemandem beobachten konnte). Doch ich denke, wer bis hierhin gelesen hat, den muss man kaum auf solcherlei Banalitäten stoßen. Sicherheitshalber kann man es nun trotzdem hier lesen.

Ergänzung zum CO2-Problem: Meteorologe Dr. Wolfgang Thüne (ehem. ZDF) und Hartmut Bachmann im Gespräch mit Michael Vogt

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Kloß und Spinne Teil7: Bloß gut, dass Nazis böse sind

4. Dezember 2009 - 17:12 Uhr

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Kloß und Spinne Teil6: Verliebt!

27. November 2009 - 12:22 Uhr

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Verkaufsoffener Wochentag

18. November 2009 - 13:50 Uhr

Mit einem “verkaufsoffenen Feiertag” wirbt das Halle Center heute im Radio, denn auch am Buß- und Bettag kann man hier “bis 20Uhr einkaufen”, so heißt es. Wer hier nun aber einen besonderen Service unterstellt, der ist der dreisten Irreführung des Reklameproduzenten auf den Leim gegangen. Denn im Halle-Center, welches man in Peißen nahe Halle findet, shoppt man auf sachsen-anhaltinischem Boden. Ein gesetzlicher Feiertag mit geschlossenen Läden und allem, was dazu gehört, ist der Buß- und Bettag jedoch ausschließlich in Sachsen. Eine interessante Einschätzung seiner Kunden, die uns die Betreiber des Halle-Centers da offenbaren.

Eifrig bemalt man nun schon die Werbetäfelchen zum verkaufsoffenen Lailatu ‘l-Qadr (einem islamischen Feiertag gegen Ende des Ramadan) und hofft auf hohe Resonanz der denkunfähigen Kundenzombies, die ja auch seit jeher auf fettgedruckte Adjektive wie ‘BILLIG’, ‘GÜNSTIG’ und ‘PREISWERT’ reinfallen, die ‘NORMALE’, ‘UMSATZSTEIGERNDE’, ‘PROFITBRINGENDE’ Preise tarnen.

Übrigens: Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass das aufdringlich große Einkaufscenter “nova eventis” (ebenfalls bei Halle) von außen wie eine Festung wirkt? Auch hier könnte eine listige Marketingstrategie vermutet werden, denn was lehrt die Geschichte über Festungen? Richtig, man fällt dort ein, plündert sie und verschwindet mit soviel Beute, wie die Pferde tragen können.

noev

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