Eine Hand wäscht die andere
18. Januar 2010 - 14:22 UhrSie besitzen eine Lebensmittelladenkette und haben eine Million € übrig? Ihr deutschlandweites Famillienunternehmen möchte durch gezielte Ausgaben langfristig Steuern sparen?
Sichern auch Sie sich noch heute ein auf Ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnittes Steuergesetz!
Spenden Sie für unseren Wahlkampf und beeindrucken Sie Freunde und Belegschaft mit etwas politischem Einfluss!
So oder so ähnlich könnten Werbeanzeigen deutscher Parteien demnächst in Zeitschriften und auf Plakaten erscheinen, wenn diese der Forderung nach mehr Ehrlichkeit und Transparenz nachkämen.
Die FDP hätte dies wohl auch besser getan, denn nun bot sie der Opposition die Vorlage zur Aufdeckung eines “Bestechungsskandals”. Im Gegenzug zu – oder unabhängig von (bedienen Sie sich hier entsprechend Ihrer politischen Gesinnung) einer Millionenspende (in Form mehrerer kleiner Beträge) der Hoteliers-Famillie Finck an die FDP, gönnte diese in ihrer Großzügigkeit gleich dem gesamten Hotelgewerbe im Rahmen des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes eine Steuers(ch)enkung für Übernachtungen von 19% auf 7%. Man muss allerdings fair sein: die Spende wurde ordnungsgemäß bei Bundestagspräsident Norbert Lammert angemeldet, somit kann man hier keineswegs von einem “Bestechungsskandal” reden, sondern nur von einwandfrei rechtmäßiger Bestechung.
Ein Schelm, wer hier Zusammenhänge unterstellt. Vor allem, da diese undankbaren Hoteliers sich nun auch noch über einen angeblichen Bürokratiezuwachs beschweren, bloß weil sie auf den Rechungen Übernachtungen und Frühstück unterschiedlich besteuern müssen.
Wäre man konsequent, würde man ein generelles Verbot der Parteispenden von Unternehmen verhängen, denn Zusammenhänge gibt es überall. So spendete ein guter Bekannter im vergangenen Jahr 7,30 Euro (nach Abzug der steuerlichen Vorteile für Spenden). Dieser Bekannte besitzt zwei minderjährige Söhne. Schaut man sich das Wachstumsbeschleunigungsgesetz genauer an, fällt da unter anderem die Anhebung des Steuerfreibetrags für Kinder ins Auge! Man muss ja nur noch eins und eins zusammenzählen um den nächsten Bestechungsskandal zu wittern. Für einen kleinen Obolus bin ich gern bereit, der vor lauter Zusammenhängen nur so schnurrenden Opposition detailliertere Informationen zu jenem Bekannten zu geben – eine Hand wäscht die andere!
